Verlierer ist der Freizeitsport

Verlierer ist der Freizeitsport

Aktuelles Interview mit dem Vorsitzenden des Tennisclub Kolbermoor, Kurt Kantner

Oberbayerisches Volksblatt vom 14.03.2018

Im Anschluss an diese Plätze, also Richtung Norden zur Hermann-Löns-Straße, hätte die Halle mit zwei Feldern entstehen sollen. Fleindl © OVB
Im Anschluss an diese Plätze, also Richtung Norden zur Hermann-Löns-Straße, hätte die Halle mit zwei Feldern entstehen sollen. Fleindl
© OVB

In der Mitgliederversammlung 2014 hatten die Mitglieder des Tennisclubs Kolbermoor mit überwältigender Mehrheit für den Bau einer Zwei-Feld-Tennishalle auf dem eigenen Sportgelände gestimmt. Insbesondere die Jugend sollte davon profitieren, ganzjährig Tennissport treiben zu können. In den Jahren danach wurde es jedoch still um das Projekt. Jetzt kam das Aus.

Herr Kantner, wie hat sich das Projekt entwickelt?

Kurt Kantner: 2005 erwarb der Tennisclub Kolbermoor etwa zwei Hektar Wald von der Pfersee Kolbermoor GmbH. Die damalige Geschäftsführung der Pfersee Kolbermoor GmbH hatte ein Herz für den Freizeitsport und es wurde ein günstiger Kaufpreis vereinbart. Voraussetzung war, dass das Gelände ausschließlich dem Tennissport dient und 40 Jahre lang nicht für andere Geschäfte genutzt oder gar gewinnbringend veräußert werden darf. Für den Fall einer vertragswidrigen Nutzung wurde eine sogenannte Aufzahlungsverpflichtung vertraglich vereinbart. Das bedeutet, dass bei nicht vertragsgemäßer Nutzung der Tennisclub Kolbermoor einen vertraglich nicht näher definierten Betrag an die Pfersee Kolbermoor GmbH bzw. deren Rechtsnachfolger, die AVECO Holding AG, abführen muss.

Erwies sich diese Vertragsklausel nun als kritischer Punkt?

Kurt Kantner, Vorstand des Tennisclub Kolbermoor
Kurt Kantner, Vorstand des Tennisclub Kolbermoor

Kurt Kantner: Ja: Klar war, eine Aufzahlungsverpflichtung würde das Projekt aus finanziellen Gründen zum Scheitern bringen. Der Vorstand des Tennisclubs Kolbermoor wollte vor Baubeginn daher eine schriftliche Bestätigung der AVECO Holding AG, dass eine Tennishalle im Rahmen der angedachten Nutzung liegt. Diese Bestätigung wollte die AVECO Holding AG nicht ausstellen. Es gelang dem ehemaligen Vorstand des Tennisclubs leider nicht, die AVECO Holding AG davon zu überzeugen, dass eine Tennishalle nichts anderes ist als ein umbauter Tennisplatz und somit dem kaufvertragsgemäßen Zweck entspricht.

Wie lange warteten Sie ab?

Kurt Kantner: Über eineinhalb Jahre lang fehlte eine klare Aussage der AVECO Holding AG, ob sie eine Aufzahlungspflicht sieht oder nicht. Der ehemalige TCK-Vorstand Peter Zach und auch der seit Planungsbeginn involvierte Bürgermeister Peter Kloo wurden von AVECO Holding AG immer wieder vertröstet; über die Gründe kann nur spekuliert werden.

Hätte ein Baubeginn nicht vorgezogen werden können?

Kurt Kantner: Der Tennisclub Kolbermoor war sogar bereit, eine Summe zwischen 30000 und 50000 Euro zu bezahlen, damit endlich mit dem Bau begonnen werden könne. Mit Schreiben vom 2. Januar 2017 benannte die AVECO Holding AG dann ihre Ausgleichsforderungen mit 282801 Euro. Nicht nur das Teilgrundstück, auf dem die Halle entstehen soll, sondern das gesamte Grundstück um die Tennisplätze herum erfahre eine Aufwertung und hierfür müsse ebenfalls aufgezahlt werden. Dies wurde seitens des Tennisclubs Kolbermoor als unfinanzierbar abgelehnt. Am 8. März 2018 wurde diese Forderung über 282801 Euro von der AVECO Holding GmbH aber nochmals bestätigt.

Das ist ein stolzer Betrag.

Kurt Kantner: Diese Forderung von 282801 Euro ist ein Betrag, den der Tennisclub Kolbermoor in Verantwortung dem Verein und den Mitgliedern gegenüber nicht bezahlen kann. Bei der Mitgliederversammlung des Tennisclubs Kolbermoor wurde die aktuelle Situation von Sportwart Siegfried Rohmann vorgetragen. Der Vorstand empfahl der Mitgliederversammlung daher, den Stopp des Projektes zu beschließen. Ein Vorschlag, dem die Mitgliederversammlung dann auch einstimmig folgte. Unabhängig von den Beweggründen der AVECO Holding AG für diese Entscheidung kann ich nur sagen: Verlierer ist der Freizeitsport – und da sind es insbesondere die tennisbegeisterten Kinder und Jugendlichen.